Videospiele und der Dschihad? Genie vs Wahnsinn

Vor kurzem gab es wieder einmal einen Politiker, welcher Videospiele verantwortlich macht für das Übel in der Welt. Diesmal heiß es aber nicht, man würde wegen Ego-Shootern einen Amoklauf...

Vor kurzem gab es wieder einmal einen Politiker, welcher Videospiele verantwortlich macht für das Übel in der Welt. Diesmal heiß es aber nicht, man würde wegen Ego-Shootern einen Amoklauf in Schulen begehen, denn der Politiker Otto Pendl (SPÖ) ging in diesem Fall noch einen Schritt weiter. Das ganze geschah während der Sendung „60 Minuten Politik“ auf ORF.

Laut seiner Aussage seien Ego-Shooter „mit dafür verantwortlich, dass sich junge Menschen für den Dschihad entscheiden„. Für alle die mit dem Begriff „Dschihad nichts anfangen können, damit ist der im Koran geforderte „heilige Krieg“ gegen die „Ungläubigen“ gemeint, welcher unter anderem durch Al-Quaida und den IS praktiziert wird. So viel zum Begriff des Dschihad Aber wie kam Pendl überhaupt zu dieser Aussage?

Otto Pendl (SPÖ für Sozialdemokratische Partei Österreich), geboren am 29. Oktober 1951 ist Sicherheitsbeauftragter der SPÖ und Mitglied im Nationalrat von Österreich.

Otto Pendl (SPÖ für Sozialdemokratische Partei Österreich), geboren am 29. Oktober 1951 ist Sicherheitsbeauftragter der SPÖ und Mitglied im Nationalrat von Österreich.

Nun, auf Nachfrage wie denn junge Menschen in Österreich ihre Zeit verbringen, meinte er wörtlich „[…]in erster Linie in einer virtuellen Welt.“ Weiterhin fielen seinerseits Aussagen wie etwa „Sie sitzen jeder vor einem Standgerät oder vor mobilen Geräten. Sie alle kennen die ganzen Spiele, die dort angeboten werden. Es ist eigentlich das Verständnis von gut und böse, was daraus entsteht, bei diesen Spielen, total abhanden gekommen

 

Die Aussage, dass mit Videospielen ein Grundverständnis von gut und böse abhanden kommt, kann man eigentlich getrost als Blödsinn abtun. Das alte Argument, man erkenne nicht mehr den Grad zwischen gut und böse, tauchte damals schon zu Zeiten von Robert Steinhäuser auf, als er 2002 am Gutenberg Gymnasium in Erfurt um sich schoss. Damals stürzten sich die Medien geradezu darauf, dass er dank Counter Strike kein Verständnis mehr für gut und böse und einen erhöhten Agressionspegel habe.

 

Vielmehr war es Steinhäusers soziales Umfeld, welches ihn zur Verzweiflung trieb und ihn seelisch quälte, ohne Rücksicht auf Verluste.  Deshalb tauchte er ab in die Ego-Shooter, um den Qualen zu entkommen. Doch da die seelischen Qualen nicht aufhören, beging er am 16. April 2002 einen Amoklauf an seinem Gymnasium in Erfurt.

Aber wenn man noch Beispiele braucht, warum das Verständnis von gut und böse nicht abhanden kommen ist, hier einige Beispiele:

– Dishonored: Die Maske des Zorns

Wer hier auf dem gutem Weg spielt (also seinen Weg nicht mit Leichen pflastert), der wird eine weniger düstere Version der Stadt Dunwall und ein gutes Ende erleben. Wer jedoch alles niederballert, was ihm in den Weg kommt, der wird eine düsterere Version Dunwalls vor sich haben. Die Straßen sind gefüllt mit Ratten und Weinern (Weiner sind an der Seuche infizierte Leute, sie sind etwa gleichzusetzen mit Zombies), die Wachen sind aggressiver und über die Aussagen und das Bild der kleinen Emily Kaldwin, da will ich gar nicht erst anfangen.

 

– Fallout 3

Das wohl berühmteste Beispiel für die Entscheidungen in Fallout 3 zum Thema gut und böse ist die Megaton Atombombe, welche direkt in der Mitte der Stadt zu finden ist. Jagt man diese Atombombe auf das Verlangen eines Mr. Burke hin hoch, so erhält man sehr schlechtes Karma und was noch dazu kommt: Der Vater, den man finden soll ist, wegen dem man durch das gesamte Ödland der Hauptstadt reist, ist bitterlich enttäuscht von einem und fragt den einsamen Wanderer, ob er ihn so erzogen habe. Entschärft man die Bombe, berichtet der Moderator von Galaxy News Radio, Three Dog, positiv über den einsamen Wanderer und zieht nicht über ihn her.Dazu kommt noch, dass der Vater anmerkt, dass er stolz darauf sei, was der einsame Wanderer geleistet habe.

 

Da wir nun geklärt haben, dass diese Aussage vollkommener Schwachsinn ist, wenden wir uns seiner nächsten Aussage zu. Laut Pendl solle man mit „Psychologen, Pädagogen und der Gesetzgebung hier handeln, um junge Menschen zu schützen„.

 

PEGI

Die Pegi hat eigene Einstufungen was das Alter angeht, als auch eigene Warnhinweise für Eltern wie (v. links nach rechts): Beleidgungen bzw jugendgefährdende Sprache, Diskriminierung, Drogenmissbrauch, Angst verursachend bzw verstörend, sexuell eindeutige Darstellung, Gewalt

Österreich verwendet das europaweite System der PEGI. Diese Abkürzung steht für Pan European Game Information und gilt in vielen Staaten der europäischen Union, wenn diese nicht eigene Behörden zur Einstufung und Kennzeichnung von Spielen haben, wie beispielsweise Deutschland mit der USK.

Dieses System ist dafür zuständig, Jugendliche davor zu schützen, mit für sie unangemessenen Inhalten in Kontakt zu kommen. Wenn beispielsweise ein Jugendlicher unter 18 Jahren einen Ego-Shooter, sagen wir einmal Call of Duty: Ghosts in die Hände bekommt, ist das kein Versagen des Systems. Das System hat alles ordnungsgemäß klassifiziert, woran liegt es dann?

An den Eltern, die es billigen, dass ihre Kinder an solche Spiele kommen. An den Eltern, die ihre Aufsichtspflicht verletzen, ihr Kind einfach vor den PC setzen und es vernachlässigen. Wenn diese Eltern sich dann beschweren, was alles schief läuft und das die Kontrollen nicht streng genug sind, sollten gerade diese Eltern sich einmal an die eigene Nase fassen.

Und selbst wenn eine Person, die 18 Jahre oder älter ist einen Ego-Shooter spielt, ist diese Person laut den Prüfstellen in der Lage, die virtuelle Welt und die Realität auseinander zu halten. Außerdem, in welchem Ego-Shooter (und da wäre ich gespannt von Herrn Pendl ein Beispiel zu hören) wird der Dschihad beworben und angepriesen? Das höchste was in Ego-Shootern passiert ist, dass man auf Terroristen schießt, aber nicht mit ihnen kämpft bzw. das Allerhöchste der Gefühle wäre hier der Titel „Medal of Honor – Warfighter“ aus dem Hause EA, bei dem man im Tutorial als Terrorist lernt, ein Flugzeug zu kapern. Eigentlich ist das schon wieder ein bisschen zynisch, wenn es am 11. September gespielt wird, beziehungsweise zeugt von schwarzem Humor.

 

Medal of Honor - Warfighter

Im Tutorial dieses Medal of Honor Ablegers lernt man als Terrorist ein Flugzeug zu kapern, was am 11. September maximal als geschmackloser Scherz angesehen werden kann

 

Interessanter Weise, um diesen Kommentar zum Abschluss zu bringen, gingen die anderen Gäste der Show wenig auf Pendls Argumente ein und verwiesen eher auf ein soziales Umfeld, in dem junge Menschen radikalisiert werden, um  über die Türkei auszureisen und dem „heiligen Krieg“ beizutreten.

Ich denke, ich habe hier bewiesen, dass Pendls Argumente absoluter Schwachsinn sind und nicht einmal von den anderen Showgästen ernst genommen wurden. Aber gut, von Politikern des älteren Kalibers sind es Spieler gewohnt, in eine Ecke mit Amokläufern und, seit Pendls Kommentar, mit Dschihadisten gestellt zu werden. Falls ihr weitere, kontroverse Aussagen zum Thema Videospiele findet, lasst es uns hören, eventuell werden wir auch diese etwas näher beleuchten.

 

Quellen:

Der Hauptartikel: http://futurezone.at/games/spoe-sicherheitssprecher-ego-shooter-fuehren-zu-jihadismus/87.876.347

Bild von Otto Pendl: http://images04.futurezone.at/243435-ausschuss 001_APA_HELMUT+FOHRINGER/626×352/253.435?.jpg

Bild zur PEGI: http://static.gulli.com/media/archiv/pegisystem.jpg

Wallpaper zu MoH Warfighter: http://hdwallpaper.freehdw.com/0009/games_hdwallpaper_medal-of-honor-warfighter_80261.jpg

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Ein Kommentar
  • Killerspiele, schon wieder? – Genie vs Wahnsinn Teil I | Nextgameration
    27 Juli 2016 at 6:05
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    […] offenes Geheimnis, dass Politiker, welche sich zu Games äußern, des Öfteren angegriffen werden. Ich habe dasselbe mit Otto Pendl getan, zu Recht wie ich finde. Otto Pendl hat in seinen Aussagen einen Punkt gemacht, der nach aktueller Faktenlage nicht haltbar […]

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